You are currently browsing the monthly archive for Juli 2008.
Wer Gewalt oder Mobbing ignoriert, wegschaut oder das Problem einfach unter den Tisch kehrt, weil er es nicht wahrhaben will, der macht sich - je nach Sitaution – schuldig wegen unterlassener Hilfeleistung.
Wer Gewalt unter MitschülerInnen ignoriert, läßt sie weiter zu und unterstützt somit die TäterInnen.
Noch schlimmer ist es, wenn LehrerInnen Gewalt in der Schule ignorieren und damit eine(n) Schutzbefohlene(n) weiterhin der Gewalt – egal ob körperlicher oder seellischer Art- aussetzen.
Als unmöglich aber empfinde ich, wenn LehrerInnen SchülerInnen dazu auffordern, eine(n) MitschülerIn zu ignorieren.
Da ist ein hochbegabter Schüler, der sich aufgrund seines Handicaps (AD(H)S, Asperger-Syndrom) seinen Mitschülern gegenüber oft „merkwürdig“ (anders) verhält.
Dieser Schüler wird von einem Klassenkameraden auf die Strasse vor ein Auto geschubst, das gerade noch rechtzeitig bremsen kann, so dass der Schüler nicht verletzt wird.
Die einzige Erklärung der Klassenlehrerin dazu:
„Dann wird er seinen Mitschüler sicher provoziert haben.“
Seit wann rechtfertigt provozierendes Verhalten eines Mitschülers, diesen vor ein Auto zu schubsen?
Am folgenden Tag rät die Klassenlehrerin den Schülern, diesen Klassenkameraden doch in Zukunft einfach zu ignorieren – so zu tun, als sei er einfach nicht da.
Kein Wort des Bedauerns über diesen Vorfall - weder dem Schüler noch der Mutter gegenüber.
Eine weitere Folge dieses Vorfalls:
Der Schüler wird von der Klassenlehrerin alleine in die letzte Reihe verbannt
mit den Worten:
„Wenn du dich so verhältst, gehörst du für mich nicht in diese Klasse.“
Was aber hat dieser Junge getan?
Nichts.
Er hat sich verhalten wie ein neunjähriger Junge unter elfjährigen Mitschülern – ein wenig kindlich halt noch – und sie damit offensichtlich genervt.
Mit dem Ergebnis, dass er auf die Strasse vor ein Auto geschubst wurde und infolge dessen mit Billigung bzw. nach Aufforderung der Klassenlehrerin von seinen Mitschülern ignoriert wird mit Sätzen wie: „Oh, heiße Luft hat mich berührt“, und am Ende von der Klassenlehrerin sogar noch in die letzte Reihe verbannt wird als Zeichen der Nichtzugehörigkeit in den Klassenverband.
Ignoranz statt Integration.
Für mich eine ganz besonders schlimme Form von Gewalt.
ist eine Aktion von mobbing-web gegen Mobbing, Gewalt und Diskriminierung, die bereits von vielen PolitikerInnen, BürgerInnen und Initiativen unterstützt wird.
Leider wird das Thema „Mobbing“ von vielen Menschen immer noch bagatellisiert und Probleme, die durch Mobbing enstehen, werden nicht ernst genommen.
Für die Opfer hat das oft schwerwiegende Folgen.
Sensibilisierung der Öffentlichkeit ist ein wichtiger Schritt gegen Mobbing und Gewalt im Alltag, am Arbeitsplatz und der Schule.
Daher begrüße und unterstütze ich die Aktion „Stimmen und Gesichter gegen Mobbing“.
Heute einmal nur ganz kurz:
In der aktuellen Ausgabe des Focus Schule Online vom 22.07.2008
steht ein Interview mit Schulrechtlerin Sibylle Schwarz zum Thema
Disziplinarmaßnahmen in der Schule
Schulleiter reagieren oft nervös
In dem Artikel gibt es auch einen Link „Was dürfen Lehrer“ , der auf die Schulgesetze der einzelnen Bundeländer verweist.
Unglaublich, zu welchen Disziplinarmaßnahmen Lehrer heute noch greifen.
… und trotzdem wird ihm die Schuld immer wieder in die Schuhe geschoben.
Sätze wie:
„Du bist selbst schuld, wenn du dich nicht wehrst.“
„Du musst dich nicht wundern, dass du gehänselt wirst, wenn du so aussiehst bzw. wenn du dich so verhältst.“
„Du hast deine MischülerInnen provoziert.
„Du bildest dir das alles nur ein ein.“
sind an der Tagesordnung und verunsichern den/die gemobbte SchülerIn zusätzlich. Nicht selten fühlen sich diese sowieso schuld an der Situation oder glauben, versagt zu haben (Schließlich muss es ja einen Grund haben, warum gerade sie gemobbt werden).
Das Selbstwertgefühl nimmt immer weiter ab, die Noten werden schlechter.
Daher ist es besonders wichtig, dem/der gemobbten SchülerIn klar zu machen, dass er/sie unschuldig ist. Höchste Priorität kann nur sein, das Mobbingopfer vor weiteren körperlichen und verbalen Angriffen zu schützen.
Ansonsten fühlen sich die Täter im Recht und glauben, die Lehrer auf ihrer Seite zu haben.
Leider ist das auch sehr oft der Fall.
Mobbingopfer werden häufig erpresst:
„Bring uns das und das mit (gemeint sind hier Sachwerte, Süssigkeiten oder Geld) und dann lassen wir dich in Ruhe“
oder zu Taten angestiftet:
„Wenn du das und das machst (andere ärgern, Sachbeschädigungen, Geld klauen etc.), lassen wir dich in Ruhe.“
Hier ist es wichtig, dem Opfer klar zu machen, dass es sich nicht freikaufen kann, sondern dass die Täter immer mehr fordern werden, damit sie das Opfer in Ruhe lassen. Läßt sich das Opfer darauf ein, sich durch Streiche oder auffälliges Verhalten, aus der Mobbingsituation befreien zu können, wird es nicht selten selber zum Täter und am Ende für sein Verhalten bestraft werden.
Happy Slapping, wortwörtlich und verharmlosend übersetzt - fröhliches Draufschlagen - gehört an deutschen Schulen mittlerweile leider schon fast zum Alltag.
Da werden MitschülerInnen in der Klasse und auf dem Schulhof verprügelt oder erniedrigt und diese Tat zusätzlich mit dem Handy gefilmt, um sie später per MMS oder im Internet zu verbreiten.
Eine ganz schlimme Form von Mobbing und Gewalt, die strafbar ist.
(u.a.: Gewaltdarstellung §131, StGB)
Und zwar nicht nur für die unmittelbaren Täter, sondern auch für Zeugen, die den Vorfall beobachten und der Schulleitung bzw. den Lehrern nicht melden.
Sie können wegen unterlassener Hilfeleistung belangt werden.
Generell gilt, dass Fotos von MitschülerInnen bzw. Filme über MitschülerInnen nur mit deren Genehmigung verbreitet werden dürfen.
§22 KUG (Kunsturhebergesetz):
„Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden.“
Medienberichte zum Thema „Happy Slapping“:
Happy Slapping nimmt zu - Zeit Online vom 26.06.2008
Unterrichtsausschluss wegen Happy Slapping – Lehrer-Online 18.01.2007
Happy Slapping – Stern.de vom 26.06.2008
Happy Slapping grassiert – heute.de Nachrichten vom 26.06.2008
Happy Slapping auf dem Handy – ZDF.de vom 19.03.2007
Eine dauerhafte und wirksame Lösung des Konfliktes muss und kann demnach nur in der Schule gefunden werden.
Sätze, auf die ich immer wieder stoße, wenn ich zum Thema Mobbing in der Schule im Internet recherchiere.
Wissen Schulen und Lehrer überhaupt, dass die Konfliktlösung bei Mobbing in ihren Verantwortungsbereich fällt?
Wenn ja, warum wird das Thema Mobbing von LehrerInnen oder der Schulleitung dann immer noch viel zu häufig tabuisiert?
- Liegt es vielleicht daran, dass es keine Patentlösung gibt bzw. keinen einheitlichen Lösungskatalog und die Auseinandersetzung mit dem Thema Mobbing daher besonders schwierig und (arbeits)aufwendig ist?
- Oder vielleicht auch daran, dass Mobbingopfer in vielen Fällen Problemschüler sind, mit denen die Lehrer im Schulalltag generell überfordert sind?
- Ist den LehrerInnen bzw. der Schulleitung der Ruf der Schule wichtiger (An unserer Schule gibt es kein Mobbing) als eine Auseinandersetzung mit der Problematik und eine schnelle und effektive Konfliktlösung zugunsten des Mobbingopfers?
- Werden Mobbing und Gewalt an Schulen und der Umgang damit in der Lehrerausbildung überhaupt zum Thema und zukünftige LehrerInnen mit Gewaltpräventionsmethoden vertraut gemacht?
Es gibt heute viele Beratungsstellen, bei denen Schulen Hilfe suchen können, wenn Schüler gemobbt werden.
Falsch ist es, Mobbing zu verharmlosen oder gar wegzusehen, wenn es einen offensichtlichen Mobbingfall an der Schule gibt und ganz schlimm, wenn das Opfer zum Täter gemacht wird.
Das geschieht leider viel zu häufig.
Noch ein Lied, das sich mit dem Thema „Mobbing in der Schule“ beschäftigt.
Dieses Mal von der Sängerin Selina Herrero, die damit auch über etwas spricht, das sie in der Schulezeit selber erleben musste.
„Keine Chance für Mobbing an der Schule“ - so lautet die Überschrift des Artikels auf ihrer Homepage über die gerade neu erschienene CD.
Der Titel: „You can´t stop me„ – ein Song, der sicher gerade Schülerinnen und Schüler anspricht.
Am 19. Juli 2008 wird der Song „Feel the power“ von Wahre Helden feat. Deborah Rosenkranz im Rahmen der Einweihung des Gerd-Müller-Stadions in Nördlingen vorgestellt.
Die Kampagne „Wahre Helden – Stars gegen Gewalt“ beschäftigt sich mit den Themen Mobbing und Gewalt (nicht nur an Schulen) und möchte die Menschen sensibilieren, nicht wegzuschauen, sondern Opfern physischer oder psychischer Gewalt zu helfen und sich zu wehren.
Ich möchte von hier aus beide Daumen drücken für die Premiere von „Feel the power“ am nächsten Samstag und bin schon gespannt, wie er im Nördlinger Gerd-Müller-Stadion ankommen wird.
Auf youtube gibt es schon jetzt das Video „Feel the power“.
Berichte und Fotos von der Songpremiere.










Kommentiert